Denkmäler der Tonkunst in Dresden

Editionsleitung: Reiner Zimmermann

Alle Editionen der "Denkmäler der Tonkunst in Dresden" sind nur zu Informationszwecken einsehbar und ihre Nutzung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Ausgaben sind käuflich bzw. als Leihmaterial beim Musikverlag Ries & Erler, Berlin, zu erhalten.
Die jeweils erste Ziffer des Veröffentlichungsjahres bezieht sieht auf das Erscheinen bei Musikschätze in Dresden, die folgende Ziffer auf die Veröffentlichung bei Ries & Erler.

Editionsnummer 1 (PDF):
Johann Gottlieb (?) Graun, Jan Antonín Reichauer, Franz (Jacob) Horneck
Fünf Fagottkonzerte in Dresdner Überlieferung
Herausgegeben von Hans-Günter Ottenberg unter Mitarbeit von Lars Klünder und Phillip Schmidt, 2011/2012

Der vorliegende Band vereint fünf Fagottkonzerte, die in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden überliefert sind und die hier erstmals, nahezu drei Jahrhunderte nach ihrer Entstehung, der musikalischen Öffentlichkeit in einer neuen Ausgabe vorgelegt werden. Bei vier der insgesamt sieben Quellen – darunter auch zwei Autographe – handelt es sich um Abschriften Dresdner Hofnotisten. Sie wurden im sog. "Schranck No: II." in der Katholischen Hofkirche aufbewahrt, was sie als Repertoire der Kammermusik der Dresdner Hofkapelle der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausweist. Die außerordentliche Beliebtheit von Solo- und Gruppenkonzerten innerhalb der Dresdner Hofmusik im Augusteischen Zeitalter wird heute durch einen viele hunderte Kompositionen zählenden Werkbestand verdeutlicht.

Editionsnummer 2 (PDF):
Giovanni Alberto Ristori/Giovanni Claudio Pasquini
"I Lamenti d'Orfeo"
Festa di camera für 2 Soprane, 2 Hörner, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Violinen, Viola und Basso continuo, 1749
Herausgegeben von Wolfgang von Kessinger unter Mitarbeit von Reiner Zimmermann, 2014

Am 4. April, dem Karfreitag des Jahres 1749, an dem am Dresdner Hof jeweils keine Opernaufführung stattfinden konnte, kam I Lamenti d’Orfeo, Festa di Camera consagrata alle Glorie Auguste di Ermelinda Talea. Patrocinio, e Decoro d’Arcadia, Poesia del Sig.re Ab:te Giov. Claudio Pasquini d:to Trigenio Migonitidio Pastore Arcade. Musica di Giov. Alberto Ristori 1749 nachweislich zur Aufführung, nachdem es vermutlich schon im Januar 1749 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Mitwirkende waren Calliope, eine Muse: Rosa Ravona, Orfeo, ihr Sohn: Regina Mingotti. Gewiss hat Ristori die Hofkapelle vom Cembalo aus geleitet.

Editionsnummer 3 (PDF):
Antonio Lotti
Sinfonia zum Melodramma pastorale "Giove in Argo" für 2 Corni da caccia, 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und Basso continuo, 1717
Herausgegeben von Reiner Zimmermann, 2011/2012

Antonio Lotti (1667 – 1740) gehörte zu den angesehensten Musikern seiner Zeit und wurde deshalb vom sächsischen Kurprinzen mit Einverständnis seines Vaters Augusts des Starken für drei Jahre nach Dresden verpflichtet. Lotti hatte den Auftrag, mit einem italienischen Ensemble italienische Opern in Dresden aufzuführen. Der Kurfürst und Polnische König erteilte am 23. August 1718 von Warschau aus die schriftliche Ordre an Graf Wackerbarth, ein neues Opernhaus am Taschenberg zu errichten. Es wurde am 3. September 1719 mit „Giove in Argo“ eröffnet.

Editionsnummer 4 (PDF):
Pietro Bizzarri/Maria Antonia Walpurgis
Cantata "Che ti dirò Regina"
für Sopran, 2 Violinen, Viola und Basso continuo, 1747
Herausgegeben von Reiner Zimmermann, 2011/2012

Am 8. Dezember 1747 feierte die sächsische Kurfürstin und polnische Königin Maria Josepha (1699–1757) ihren 48. Geburtstag. Zu diesem Anlass verfasste ihre Schwiegertochter, die bayrische Kaiserstochter Maria Antonia Walpurgis den Text der Kantate "Che ti dirò Regina". Die Kurprinzessin hatte den ältesten Sohn des Herrscherpaares, Friedrich Christian (1722–1763), im gleichen Jahr geheiratet und war im Juni nach Dresden gekommen. Sie war in mehreren künstlerischen Disziplinen wie Komposition, Gesang, Dichtung, Malerei umfassend gebildet.

Editionsnummer 5 (PDF):
Johann Adolf Hasse/Maria Antonia Walpurgis
Cantata "Che ti dirò Regina"
für Sopran, 2 Hörner, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und Basso continuo, 1747
Herausgegeben von Reiner Zimmermann, 2011/2012

Am 8. Dezember 1747 feierte die sächsische Kurfürstin und polnische Königin Maria Josepha (1699–1757) ihren 48. Geburtstag. Zu diesem Anlass verfasste ihre Schwiegertochter, die bayrische Kaiserstochter Maria Antonia Walpurgis den Text der Kantate "Che ti dirò Regina". Die Kurprinzessin hatte den ältesten Sohn des Herrscherpaares, Friedrich Christian (1722–1763), im gleichen Jahr geheiratet und war im Juni nach Dresden gekommen. Sie war in mehreren künstlerischen Disziplinen wie Komposition, Gesang, Dichtung, Malerei umfassend gebildet. Die Kantate wurde am Abend des 8. Dezember 1747 im Audienzgemach des Dresdner Schlosses, ebenso wie die Kantate von Pietro Bizzari (Edition Nr. 4), aufgeführt.

Editionsnummer 6 (PDF):
Johann Joachim Quantz
Concerto D-Dur QV 6:1
für 2 Flöten, 2 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo
Herausgegeben von Klaus Burmeister, 2011/2012

Johann Joachim Quantz, am 30. Januar 1697 im niedersächsischen Oberscheden geboren und am 12. Juli 1773 in Potsdam gestorben, gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Flötenvirtuosen seiner Zeit, sondern hatte sich auch einen großen Namen gemacht als Lehrer des Flöte spielenden Preußenkönigs Friedrich II. und als Verfasser des theoretischen und selbst noch für die heutige Musikforschung wichtigen Grundlagenwerkes Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen (1752). Überdies hatte er ein umfangreiches OEuvre an Kompositionen – Konzerte und kammermusikalische Werke vornehmlich für sein Instrument – geschaffen, die zumeist für seinen königlichen Schüler bestimmt waren, an dessen Hof er seit Dezember 1741 lebte und wirkte. Zwar gehörten die Jahre am preußischen Hof für den Flötenmeister zu den wichtigsten seines Lebens und Schaffens, jedoch war seine vorangegangene Anstellung – seit 1718 als Mitglied der so genannten "Polnischen Capelle" und seit 1728 Flötist in der Hofkapelle – am Hofe August II. (des Starken) in Dresden für seine Entwicklung und Reife entscheidend. Dort hatte er nicht nur Gelegenheit, die hohe künstlerische Qualität der vorzüglichen Hofkapelle hauptsächlich unter Leitung von Johann Georg Pisendel (1687–1755) zu erleben und späterhin mitzugestalten, sondern sich frühzeitig durch gründlichen Unterricht beim ersten Flötisten der Königlichen Kapelle, Pierre Gabriel Buffardin (1689–1768), ausbilden zu lassen und sich selbst zu einem herausragenden Musiker zu entwickeln. Während einer dreijährigen Studienreise (1724–1727) nach Italien, Frankreich und England machte er sich mit den bekanntesten Instrumentalisten und Gesangskünstlern bekannt, versuchte, sich auch kompositorisch weiter zu bilden (u. a. Unterricht bei Francesco Gasparini) und studierte mit Eifer die Eigenheiten und Besonderheiten des italienischen und französischen Nationalstils.

Editionsnummer 7 (PDF):
Jan Jirí (Johann Georg) Neruda
Partita D-Dur für 2 Hörner, Violine, Viola d‘amore, Laute und Basso continuo
Herausgegeben von Michael Dücker unter Mitarbeit von Reiner Zimmermann, Auszeichnung der Viola d'amore-Stimme von Wolfram Just, 2011/2013

Jan Jirí - oder Johann Georg - Neruda, geboren vermutlich 1711 in Böhmen (ein genaues Geburtsdatum ist ebenso wenig bekannt wie der Geburtsort), gestorben am 11. Oktober 1776 in Dresden, entstammt einer böhmischen Musikerfamilie, die im 18. Jahrhundert für die höfischen Orchester Europas, vor allem in Deutschland, qualifizierte Musiker stellte. Nerudas Kompositionen waren, auch durch seine Konzertreisen bedingt, in Böhmen, in deutschen Residenzstädten wie Darmstadt, Wolfenbüttel und Berlin sowie in Schweden in Abschriften weit verbreitet, und die Kataloge des Leipziger Musikverlages Breitkopf führten zwischen 1762 und 1771 68 verschiedene Werke auf. Heute sind u. a. 36 Sinfonien, 12 Konzerte, davon 10 für Violine, 33 Triosonaten, 8 Sonaten für Violine und Basso continuo überliefert. Die Partita D-Dur ist viersätzig und entspricht einem mehrsätzigen Orchesterwerk mit Tanzsätzen, wie es etwa seit 1690 in Gebrauch war. Die Besetzung ist typisch böhmisch, da man sowohl in Prag als auch in Dresden mit ausgezeichneten böhmischen Hornisten rechnen konnte, die sich in den Klang dieser Art von Kammermusik einfügen konnten.

Editionsnummer 9 (PDF):
Georg Gebel der Jüngere
Sonata Es-Dur für Harfe, Violine und Basso
Herausgegeben von Michael Dücker unter Mitarbeit von Reiner Zimmermann, 2011/2013

Der sächsische Premierminister Graf von Brühl gründete 1735 in Warschau eine eigene Hofkapelle. Brühl engagierte 1735 zunächst sechs Musiker, unter ihnen den Kapellmeister Gottlob Harrer sowie den Cembalisten Georg Gebel, den Cellisten Müller und den Lautenisten Johann Kropffgans, alle aus Breslau. Die Brühlsche Kapelle wuchs bis 1746 auf 15 und bis 1765 gar auf 24 Mitglieder an. Da sich der Hof zwischen Dezember 1734 und August 1736 sowie dann ab 1738 aller zwei Jahre zu den polnischen Reichstagen immer mehrere Monate in Warschau aufhielt, wurden die Musiker der Brühlschen Kapelle auch an die "Kleine Polnische Capelle" ausgeliehen, wie überhaupt die Grenzziehungen zwischen beiden Orchestern nicht streng waren. Während der Aufenthalte in Sachsen waren die Musiker auf den Brühlschen Schlössern, besonders in Pförten in der Niederlausitz, tätig. Mit 26 Jahren wurde Georg Gebel als Komponist und Cembalist Mitglied der privaten Kammermusik des Grafen Brühl. Anlass und Interpreten der vorliegenden Triosonate sind nicht bekannt. Die Vermeidung von leiterfremden Tönen und die idiomatische Schreibweise deuten auf die Verwendung einer einreihigen Harfe hin. Da bisher jedoch kein Dresdner Instrumentalist nachgewiesen werden konnte, der eine solche Harfe spielte, könnte Gebel das vorliegende Werk auch für eine Liebhaberin oder einen Liebhaber des Instruments komponiert haben, um es in einem Salon in einem der Brühlschen Schlösser zum Klingen zu bringen.

Editionsnummer 11 (PDF):
Johann David Heinichen
Cantata XVIa. "La bella fiamma ò Tirsi" für Altstimme, Theorbe und Basso continuo, 1711
Herausgegeben von Michael Dücker unter Mitarbeit von Reiner Zimmermann, 2011/2013

Die Kantate "La bella fiamma ò Tirsi" gehört zu den wenigen Werken aus einem umfangreichen OEuvre von 63 Kammerkantaten von Johann David Heinichen, deren Entstehungsort und Datierung überliefert sind: "Venetiis. Kal:X.Sept: 1711". Die Herkunft des Textes ist noch ungeklärt. Er entspricht aber der verbreiteten italienischen Barocklyrik, die seelische Konflikte wie Liebeskummer zumeist metaphorisch in Naturbildern ausspricht. Diese Kantaten gaben offenbar den Ausschlag, dass der Kurprinz, nachdem er die Genehmigung hierfür bei seinem Vater August I. aus Dresden eingeholt hatte, Heinichen als sächsischen Hofkapellmeister ab dem 1. August 1716 verpflichte. Zum Geburtstag des Kurprinzen am 17. Oktober 1716 komponierte Heinichen eine Serenata, welche die Musiker in Gondeln auf dem Canale grande aufführten.

Editionsnummer 12 (PDF):
Johann Gottlieb Naumann
"Par che di giubbilo“ für Sopran, Violine und Laute
Partitur
Herausgegeben von Michael Dücker unter Mitarbeit von Reiner Zimmermann, 2011/2013

Johann Gottlieb Naumann ist der einzige Dresdner Hofkapellmeister am kurfürstlich-sächsischen Hof, der auch aus Dresden stammt. Er wurde am 17. April 1741 in Blasewitz bei Dresden geboren. Nach einer entbehrungsreichen Jugend und frühzeitigen musikalischen Ausbildung in Italien übertrug die hochmusikalische Kurfürsten-Witwe Maria Antonia Walpurgis bereits dem 23jährigen Naumann das verantwortungsvolle Amt als Kirchen-Compositeur in einer desolaten Lage der musikalischen höfischen Kultur nach dem Siebenjährigen Krieg. Naumann hat den Text – die Arie des Arpago aus Metastasios "Ciro riconosciuto", Wien 1736 – nochmals vertont. So sind mehrere Abschriften eines Duettes für zwei Soprane und Basso continuo in Venedig und Padua überliefert. Eine Datierung des Werkes ist ungewiss, es gibt aber zwei indirekte Hinweise auf eine mögliche Entstehungszeit. 1778 erschien die Canzonette "Ecco quel fiero istante" nach Metastasio für zwei Violinen, Sopran und Basso, neben dem vorliegenden Werk die einzige Canzonette mit Begleitung mehrerer Instrumente. Weitere Gesänge auf italienische Texte für Solostimme und ausschließlicher Klavierbegleitung gehen auf das Jahr 1769 zurück. Naumann war mit Johann Adolf Faustinus Weiss, dem Sohn von Silvius Leopold Weiss, befreundet, der seit 1763 bis zu seinem Tod 1814 als Kammerlautenist an der Dresdner Hofkapelle verpflichtet war. Er kann als Interpret infrage kommen.

Editionsnummer 13 (PDF):
Antonio Lotti
Sinfonia zum Dramma per musica "Teofane" für 2 Corni da caccia, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und Basso continuo, 1719
Herausgegeben von Reiner Zimmermann, 2011/2013

Die Aufführung der "Teofane" am 13. September 1719 war nicht einfach ein siebenstündiges festliches Opernereignis anlässlich einer Fürstenhochzeit zwischen dem Kurprinzen Friedrich August (II.) und der Habsburger Kaiserstochter Maria Josepha, sondern Teil einer umfangreichen Inszenierung Augusts des Starken, der Macht, Reichtum und Bedeutung der sächsischen Krone in gebührender Weise vor den Augen Europas zur Geltung bringen wollte. Dieses Dramma per musica auf einen Text von Stefano Benedetto Pallavicino mit Intrigen und dem lieto fine wird durch mehrere Kunstgriffe in Zusammenhang mit dem sächsischen Hofzeremoniell gebracht. Die Aufführung wurde einbezogen in die vom 2. bis 30. September währenden Hoffestlichkeiten sowie in die Planetenfeste, die vom 10. September (Apoll gewidmet), 12. September (Mars), 15. September (Jupiter), 18. September (Luna), 20. September (Merkur), 23. September (Venus) bis zum 26. September (Saturn) stattfanden. Die Premiere der "Teofane" am 13. September war beziehungsreich nach dem Marsfest am 12. September platziert. Dort preist der Kriegsgott das Paar, aus dessen Verbindung weitere Helden entstehen werden. Mars wird ein Turnier ausrufen, zu dem längst vergangene glorreiche Helden, die Manen Heinrichs von Sachsen, erscheinen werden. Und er erinnert daran, dass Kurfürst Johann Georg III. bei der Befreiung Wiens vom Türkischen Belagerungsheer 1683 den Österreichern wichtige militärische Hilfe gewährt hat. Auch der deutliche Verweis auf eine Liebeshochzeit, gleichermaßen im Stück wie im Leben, geht über die vom Affekt bestimmte Handlung des Dramma per musica hinaus. Liebe als Grundlage der Ehe zwischen dem Kurprinzen und der Kurprinzessin war eine weitere Botschaft des höfischen Festes, die es zu betonen galt. Deshalb wurde die Reprise der "Teofane" zwei Tage vor dem "Venusfest" angesetzt.

Editionsnummer 14 (Link):
Johann Friedrich Fasch
Ouvertüren-Sinfonien Teilband I FWV K: D 12, A 2, G 21
Herausgegeben von Manfred Fechner, 2016

Der vorliegende erste von vier Teilbänden vereint in quellenkritischer Erstedition drei der insgesamt acht nur in Dresden (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek) überlieferten sogenannten "Ouverturen-Sinfonien“ von Johann Friedrich Fasch. Alle Belege zu diesen acht Kompositionen liegen durchweg in Stimmen vor, die möglicherweise autographe Partituren zur Vorlage hatten und einst als "Leihgaben“ (aus dem Besitz des Komponisten) vorübergehend in Dresden zur Verfügung standen.
Besonderen Niederschlag fand Faschs musikalisches Neuerertum einerseits im Genre des groß besetzten Concerto: Seine Beiträge dazu beeindrucken nicht nur durch ihren musikalischen Anspruch, ihre opulente Besetzung und Klangfülle, sondern sind auch der Spiegel schöpferischer Auseinandersetzung mit Vivaldis "Concerti con molti’ stromenti" – Fasch hatte diesen Konzert-Typus in Dresden kennengelernt. Dabei ist der Zerbster Hofkapellmeister nicht nur von der blühenden Vivaldi-Pflege unter Führung des Konzertmeisters (und Vivaldi-Schülers) Pisendel kompositorisch beflügelt worden, sondern hat auch seinerseits mit seinen Beiträgen zur Gattung "Concerto“ auf die Ausbildung des spezifischen Dresdner Musikgeschmacks nachhaltig zurückgewirkt. Denn auch Faschs Konzerte sollten alsbald im Dresdner Kapellrepertoire eine bedeutende Rolle spielen, boten doch auch sie der Hofkapelle Gelegenheit, ihr exzellentes Können im Ensemble-, Gruppen- und Solospiel unter Beweis zu stellen und zugleich – schon ihrer aufwändigen Besetzungen wegen – dem Repräsentationsbedürfnis bei Hofe zu entsprechen. Fasch legte mit diesen Stücken höchst individuell gebaute, in Deutschland zu dieser Zeit und in dieser Machart "unerhörte“ Konzerte vor, die in formal-struktureller und klanglicher Hinsicht wie im virtuosen Anspruch (insbesondere an die Blasinstrumente) in die Zukunft weisen und mit ihrem nahezu "symphonischen Charakter“ dem "klassischen Stil“ erheblich näher kommen, als dies in entsprechenden Werken von Faschs unmittelbaren Zeitgenossen (vor allem Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach) der Fall ist.

Editionsnummer 18 (PDF):
Vincenzo Albrici/Giuseppe Peranda
Concerti con Aria für Soli, Instrumente und Basso continuo
Herausgegeben von Mary E. Fransen, 2014

In der Dresdner Hofgeschichte des 17. Jahrhunderts erscheint es gerechtfertigt, hinsichtlich der geistlichen Musik die Regierungszeit des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. (1613–1680) als die "italienische Periode“ zu bezeichnen. Etwa ab 1650 nahmen italienische Musiker unter den Mitgliedern der Hofkapelle eine herausragende Stellung ein und ihre Musik dominierte die höfischen Gottesdienste. Zu ihnen zählten auch zwei in Rom ausgebildete Musiker – der Organist Vincenzo Albrici (1631–1690) und der Altist Giuseppe Peranda (um 1625–1675): beide sollten später unter Johann Georg II. als Kapellmeister und Hofkomponisten wirken. Die Form seiner Concerti hatte Peranda der zu dieser Zeit in Rom verbreiteten römischen Motette entlehnt.

Editionsnummer 19 (Link):
Johann Gottlieb(?) Graun, Jan Antonín Reichenauer, Giovanni Alberto Ristori, Martin(?)/Johann Caspar(?) Seyfert
Fünf Oboenkonzerte in Dresdner Überlieferung
Herausgegeben von David Sogg, 2016

Der Herausgeber, Erster Fagottist im Pittsburgh Symphony Orchestra, hat die Werke nach Quellen des "Schranck II“, der reichhaltigen Sammlung Drensder Instrumentalmusik des Augusteischen Zeitalters, ausgewählt. Er stellt ausführlich die nur ungenügend gesicherte Autorenschaft einiger Konzerte zur Diskussion. Im Falle des Konzertes von Ristori konnte er allerdings eine frappante Übereinstimmung von Themen mit einer Arie aus Ristoris "I Lamenti d'Orfeo“ nachweisen, Edition Nr. 2 der Denkmäler der Tonkunst in Dresden.

Editionsnummer 20 (PDF):
Johann Gottlieb Naumann
Missa g-moll für Soli, Chor und Instrumente, 1764
Nach den Quellen rekonstruiert von Katrin Bemmann, herausgegeben von Claudia Lubkoll, 2015

1763, nachdem Sachsen zum Ende des Siebenjährigen Krieges große Einbußen erlitten hatte, kehrte der dreiundzwanzigjährige Johann Gottlieb Naumann nach sechsjähriger Lehrzeit in Italien nach Dresden zurück, im Gepäck diese Messkomposition. Sie wurde der musikverständigen Kurfürstin-Witwe Maria Antonia Walpurgis übergeben, die nach der Aufführung der Messe in der Hofkirche dem jungen Naumann das Amt eines 2. Kirchencompositeurs anbot: Grundlage für seine spätere Stellung als Dresdner Hofkapellmeister. Die Messe als Ganzes ist als Quelle nicht mehr überliefert, da Naumann Teile in anderen Werken verwendete. Interessanterweise wurden zwei Abschriften für den Wiener Hof angefertigt. Hieraus wurde der Notentext nach umfangreichen Recherchen von Katrin Bemmann rekonstruiert und das Werk erstmals in einer modernen Ausgabe vollständig vorgelegt.

Editionsnummer 24 (PDF):
Johann Joachim Quantz
Concerto G-Dur QV 6:6 für Violine solo, 2 Flöten solo, 2 Oboen solo, Fagott solo, Streicher und Basso continuo
Herausgegeben von Klaus Burmeister, 2015

Unter den annähernd 300 Flötenkonzerten von Johann Joachim Quantz (1697-1773) reihen sich auch einige Doppelkonzerte für zwei Flöten bzw. Flöte und Violine ein, aber nur wenige, in denen mehrere Instrumente wirklich miteinander konzertieren. Die hier vorgelegte Erstausgabe des Konzerts G-Dur für Solovioline, zwei Solo-Flöten, zwei Solo-Oboen, Solo-Fagott, Streicher und Basso continuo, QV 6: 6 entspricht dem Typ des Gruppenkonzerts als Auseinandersetzung von Quantz mit dem neuen, von Vivaldi geschaffenen großbesetzten Konzerttypus mit dominierender Solo-Violine, den er während seines Aufenthaltes in Italien (1724-1726) oder kurz danach, vielleicht noch vor seiner Reise nach London im März bis Juni 1727 kennengelernt hatte. Das Konzert war sicherlich für Aufführungen mit der königlichen Hofkapelle komponiert worden, als deren Konzertmeister um diese Zeit Johann Georg Pisendel (1687-1755) fungierte. Klaus Burmeister, ausgewiesener Kenner der Quantz-Konzerte, hat dieses Werk nach den Quellen der SLUB erstmals herausgegeben.

In unmittelbarer Vorbereitung befinden sich:

Editionsnummer 15: Ouvertüren-Sinfonien Teilband II: FWV K: D2 & F4 für 3 Trompeten, Pauken, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, herausgegeben von Manfred Fechner

Editionsnummer 16: Ouvertüren-Sinfonien Teilband III: FWV K: Dl & Fe für 3 Trompeten, Pauken, 2 Hörner, 2 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, herausgegeben von Manfred Fechner

Editionsnummer 17: Ouvertüren-Sinfonien Teilband IV: FWV K: Dl & Fe 65 für 4 Hörner, 3 Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, herausgegeben von Manfred Fechner

Editionsnummer 27: Te Deum D-Dur für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Chor, 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, Streicher und Orgel von Johann Gottlieb Naumann, 1769, herausgegeben von Claudia Lubkoll

Von Johann Gottlieb Naumann sind drei Kompositionen des katholischen Hymnus bekannt. Dieses Te Deum vollendete er am 10. April 1769, wie er auf der letzten Partiturseite notiert hat. Es war für das Fronleichnams-Fest in der Dresdner Hofkirche Ende Mai 1769 bestimmt. Die erstmalige Veröffentlichung folgt dem Autograph. In dieser Form ist das Werk am 25. September 2016 durch den katholischen Domchor St. Petri und das sorbische Kammerorchester unter der Leitung von KMD Friedemann Böhme im Dom zu Bautzen erstmals wieder aufgeführt worden.